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Färberwaid



Bevor die Indigopflanze, oder besser gesagt das Indigoblau als Produkt der Indigopflanzen nach Europa importiert wurde, färbten unsere Vorfahren Textilien mit Hilfe der Waid-Pflanze (Isatis tinctoria) blau.

Naja, nicht nur Textilien, auch sich selbst färbten die Kelten zu bestimmten Anlässen blau. Und das taten sie mit dem Farbstoff der Waid-Pflanze.

Der Farbstoff des Färberwaid ist Indigo, demnach also ein Küpenfarbstoff. Insbesonders im Mittelalter wurde in ganz Europa Waid angebaut, um daraus blaue Textilfarbe zu gewinnen.

Waid Pflanze
Waid-Pflanze || Foto: H. Zell (creative commons)

Waid ist eine zweijährige Pflanze, die zur Familie der Kreuzblütengewächse gehört. Genau wie meine Lieblingsblume Digitalis Purpurea, bildet der Färberwaid im ersten Jahr eine Blattrosette aus. Die Blätter können mehrmals geschnitten werden, wobei je weiter das Jahr fortschreitet, desto geringer wird die daraus gewonnene Menge an Indigofarbstoff. Nach dem ersten Frost schauts dann ziemlich mager aus mit der Farbe. Im zweiten Jahr bildet die Pflanze einige Stängel aus, die eine Vielzahl gelber Blüten tragen und am Ende Samenschoten entwickeln. Diese Stängel sind in der Regel zwischen 1 Meter und 1,8 Meter hoch.

Samenschoten der Waid Pflanze
Samenschoten der Waidpflanze || Foto: Sarefo (creative commons)

Wer Waid im Garten anbauen will, kann schon mal einen tiefgründigen, lockeren und humusreichen Boden reservieren, denn den mag die Waidpflanze. Das Klima ist unserem Blaumann relativ wurscht, aber regelmäßiges Gießen bringt einen besseren Ertrag. Unkrautjäten ist ebenfalls wichtig, denn da der Waid im ersten Jahr relativ niedrig wächst und nicht gerade ein ausgeprägtes Konkurrenzverhalten an den Tag legt, wird er sonst durch Unkräuter (was ist das eigentlich für ein blödes Wort, jede Pflanze hat ihren Sinn, also besser unerwünschte Pflanzen oder sowas) zugewuchert.

Waid Pflanze
Färberwaid || Bild: Johann Georg Sturm

Die Saat erfolgt entweder zeitig im März, oder aber im Herbst ab Ende Oktober. Die Samen sollten 1-2 cm tief und im Abstand von 15-30 cm ausgebracht werden. Zur Keimung braucht der Färberwaid reichlich Wasser.

Werden die Blätter zur Farbstoff-Gewinnung geschnitten, solltet ihr sie so schnell wie möglich verarbeiten. Denn wie bei den meisten Küpenfarbstoffen beginnt das Zeugs rasch zu oxidieren und die Farbausbeute verringert sich. "Zeugs" ist übrigens Indican und Isatan B, woraus sich bei der Verarbeitung Indigo bildet.

Färberwaid
Färberwaid-Anbau || Foto: H. Zell (creative commons)

Die Färberpflanze Waid hat übrigens nichts mit dem Waidmann (Synonym für Jäger) zu tun, denn das Waid im Waidmann entstand erst im Zuge einer Rechtschreibreform der NSDAP. Vorher hieß es Weid bzw Weidmann und Weid stand für das Wild. Aber egal, wir sind sowieso alle Wilderer. Wobei sich mir jetzt die Frage aufdrängt, ob der Wildschütz jetzt so heisst weil er das Wild schießt, oder weil er wild, also ohne Genehmigung schießt. Hm. Mal sehen.

Wer Waid professionell anbauen will, immerhin gibts einen Markt für Naturfarbstoffe, kann sich mal das Informationsblatt des Thüringer Landwirtschaftsministeriums durchlesen: waid0909.pdf


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