Wie die Farbe Schwarz in Mode kam
Na, also richtiges Schwarz ist schon eine interessante Farbe, besonders wenns um Kleidung geht. Denn früher war richtiges Schwarz sehr schwer zu bekommen. Und trotzdem haben sich die Leute darum gerissen, denn Schwarz ist stark, elegant und geheimnisvoll. Und da Schwarz eine unbunte Farbe ist, verkörperte sie gleichzeitig Zurückhhaltung und Sittsamkeit. Und - Schwarz lenkt die Aufmerksamkeit auf das Gesicht, weil sonst ist dann ja nicht mehr viel zu sehen.
Die Anfänge ♦ Ordens-Farbe Schwarz
Mal abgesehen vom sündteuren Purpur, der unter ganz bestimmten Umständen zu einer halbwegs schwarzen Farbe verküpert werden konnte, wurde entweder mit Erlenrinde dunkelgrau gefärbt, oder aber mit dem Gallapfel. Und wie alles was teuer ist, stand Schwarz also auch wieder als Farbe der Macht im Vordergrund. Wen wunderts, daß die Mönche schwarze Kleidung für sich entdeckten, lange bevor das Bürgertum es sich leisten konnte. Somit wurden die Kutten der reicheren Orden schwarz, während die Bettelorden ihre naturfarbenen oder braunen Wollkutten behielten. Diese Festlegung passierte um ca. 1000 n.Chr.
Die Farbe Schwarz im Bürgertum
Das Bürgertum war natürlich insbesonders an der Sittsamkeit interessiert, da nämlich um das 15 Jahrhundert die damaligen Landsknechte, also Söldner mit Piken, eine sehr bunte Tracht gewählt haben. Die Landsknechte nämlich waren alles andere als zimperlig bei ihren Methoden der Plünderung. Und eroberte Kleidungsstücke wurden traditionsgemäß zerrissen und untereinander aufgeteilt. Dem entsprechend farbenfroh war dann auch die Kleidung der Landsknechte. Die Bürger, die natürlich unter diesen Söldnern litten, wählten daher gerne unbunte Farben wie Schwarz, um einen Kontrapunkt zum hedonistischen Lebensstil der Söldner zu setzen.
Außerdem wurde gefärbter Stoff mitte des 15. Jahrhunderts etwas billiger, da etliche Färber-Meister aus Konstantinopel flohen, welches von den Türken erobert worden war. Und Konstantinopel war bis zu diesem Zeitpunkt sowas wie die Hochburg der Kunst des Färbens. Die geflohenen Meister machten in ihrer neuen Heimat aus der Kunst des Färbens ein solides Handwerk, das sich die Leute mal eher leisten konnten.
Schwarz als Mode bei Hofe
Und dann... kamen die Spanier. Durch den Aufstieg Spaniens im 16. Jahrhundert kam farbenfrohe Kleidung endgültig aus der Mode. Denn das katholische Spanien war so fromm und gläubig, daß die Mode bei Hofe aus schwarzem Stoff mit diesen riesigen weißen Halskrausen bestand, die uns immer an den Tag erinnern, als Bello vom Tierarzt kam. Und da auch das Volk gut daran tat, nach außen seine Frömmigkeit durch sittsam hochgeschlossene, dunkle Kleidung kundzutun (in einer Zeit wo hinter jedem Eck ein Inquisitor mit seinen Daumenschrauben lauert, war das sicher eine weise Entscheidung). Natürlich kam das blutige Gold aus der neuen Welt neben dem schwarzen Stoff besonders gut an.
Protestanten und Bürgertum ♦ Schwarz macht alle gleich
Martin Luther war besonders an der Farbe Schwarz interessiert, da er erstens gegen die farbigen Gewänder der Liturgie protestieren wollte, und Schwarz mittlerweile eine Farbe für jedermann war. Seiner Ansicht nach ist vor Gott nämlich jeder gleich. Damit wurde Schwarz auch zur Amtsfarbe bürgerlicher Respektspersonen wie Professoren oder Richter. Bis rund 1900 soll es auch schwarze Hochzeitskleider gegeben haben. Ganz einfach weil ein schwarzes Kleid auch zu anderen Anlässen nochmal benutzt werden konnte.
Schwarz in der Mode heute
Der nächste Schritt der Farbe Schwarz in der Mode wurde einerseits durch Chanel getan, die dieses vielzitierte "Kleine Schwarze" erfand (bzw. salonfähig machte). Denn Schwarz passt immer, ist edel und elegant. Außerdem begannen Künstler, beziehungsweise generell viele Menschen in schöpferischen Berufen, die Wirkung von schwarzer Kleidung zu nutzen. Nämlich daß Schwarz den Blick auf das Gesicht lenkt, das Zentrum der individuellen Existenz. Existentialismus sagen wir dazu.
Heute ist Schwarz quasi eine universelle Farbe. Der schwarze Anzug, das schwarze Kleid für festliche Anlässe. Der schwarze Rolli bei den Mathematikern, die schwarzen Jeans, das schwarze Tshirt... Und natürlich Schwarz als Basis-Farbe für die eher düsteren Subkulturen wie die Gothic-Szene.
Schwarz passt immer und überall.
