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Schwärzer als Schwarz



So, ich meine schwarze Pigmente sind schwarz. Ende. Oder doch nicht?

Die Definition der Farbe Schwarz ist ja grundsätzlich mal, daß alles Licht absorbiert wird. Nur ist das halt nicht ganz so einfach bei Körperfarben, da ja Pigmente verwendet werden und diese Pigmente schon rein physikalisch nicht in der Lage sind, das gesamte Licht aufzufressen.
Fazit: Ein Tier wie beispielsweise das schwarze Schaf, oder auch Kleidung die wir tragen, ist niemals komplett schwarz, sondern reflektiert zumindest ein Minimum des Lichts.
Sehr zum Leidwesen der modisch orientierten Anhänger der Gothic-Szene hat der Mensch noch keine halbwegs kostengünstige Methode entwickelt, die die Herstellung von absolutem Schwarz, Tiefschwarz ermöglicht.
Somit ist mein schwarzes Tshirt also nicht wirklich schwarz, sondern eigentlich ein ziemlich dunkles Tshirt. Dementspreched wäre also Satyricon kein Blackmetal, sondern Quitedarkmetal. Ähm... wie auch immer.

Aber was die Goths (und demnach auch die Modeschöpfer) zur Verzweiflung treibt ist, daß uns wieder mal die Natur weit voraus ist. Schmetterlinge beispielsweise. Da gibts welche mit Anteilen von Schwarz in den Flügeln, um den Kontrast zu den anderen Farben zu erhöhen. Diese Tiere sind so verdammt schwarz, daß sie aussehen wie ein Loch in der Realität. Ja aber wie machen die das?
Die Lösung sind Nanostrukturen, zusätzlich zu den Pigmenten. Also quasi viele kleine Gruben und Löcher, so klein, daß wie sie mit freiem Auge nicht sehen können. Diese Nanostrukturen erhöhen die Fläche der schwarzen Flügelschuppen enorm. Das Licht wird also viel stärker absorbiert, als es von einer bloßen Schicht von Pigmenten außenrum absorbiert werden könnte.
Deshalb erscheinen uns diese Schmetterlinge so tiefschwarz.

Das Stichwort ist hier allerdings wiederum: Sie erscheinen uns tiefschwarz. Tatsächlich absorbieren sie aber "nur" 90% des einfallenden Lichts. Also, Definition von Schwarz ist ja die totale Abwesendheit von Licht, demnach sind also sogar diese Schmetterlinge nur Möchtegern-Tiefschwarze.

Synthetische Rekorde durch schwarze Nanoteppiche

Noch schwärzer als die Schmetterlinge, aber so teuer daß es eher mal für die Rüstungsindustrie verwendet werden soll wo Kohle bzw. Geld keine Rolle spielt, sind Nanoteppiche, die von Forschern aus vielen winzigen Röhrchen entwickelt wurden. Diese Nanostrukturen schlucken 99,95% des einfallenden Lichts und sind demnach die schwärzesten Materialien die wir bis heute kennen. Der Vorgänger dieses Materials war beinahe genauso schwarz, nämlich ein Gemisch aus Phosphor und Nickel (als Nanostruktur natürlich), das 99,84% des Lichts geschluckt hat.
Das neue Material besteht aus zusammengerolltem Kohlenstoff. Diese Röhrchen sind so klein, daß 400 Stück davon nebeneinander in ein durchschnittliches Menschenhaar passen würden.
Die Oberfläche dieses Nanoteppichs ist noch dazu etwas uneben, und das verstärkt den Effekt auch noch.

Die Überlegung daß diese Nanoteppiche nicht nur bei der Tarnung eine Rolle spielen sollen, sondern sich eventuell auch zur Absorption von Radiowellen (also Unternbrechung der Kommunikation) treibt die Forscher weiter an.

Wollen wir echtes, wahres, absolutes und totales Schwarz erfahren, hilft nur:
Ab ins Raumschiff und einen netten Aussichtspunkt auf ein schwarzes Loch suchen. Denn diese Phänomene sind die Dingens, die wirklich alles Licht schlucken und nix mehr herausgeben. Absolut.

Wer nicht bis auf die Neutronen komprimiert werden will, kann alternativ auch in den Keller gehen und das Licht ausschalten.


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