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Sind Farben nun weiblich oder männlich?



Oder: Geschlechterspezifische Zuordnung von Farben

Ok, vorher werfen wir mal Rosa und Rot, sowie Blau und Hellblau in jeweils einen Topf. Denn die helle Variante der Farbe ist ja eigentlich nichts weiter als die "kleine" Variante.

In den vorangegangenen Artikeln habe ich, insbesonders im Zusammenhang mit der Farbe Rot, immer wieder von weiblichen oder männlichen Farben gesprochen. Vieles scheint jetzt widersprüchlich zu sein, denn mal erscheint Rot als das ultimativ männliche, ein andermal ist es umgekehrt.
Hier ist es wichtig, die Zeitepoche und die genaue Verwendung zu berücksichtigen.

Da Rot seit jeher eine Farbe der Macht ist, von Herrschern getragen, von Soldaten getragen, von Scharfrichtern getragen - würde man die Farbe eher dem männlichen Aspekt zuordnen.
Aber sind nicht rote Lippen mächtiger als 100 Radpanzer? Die Hinweise auf erotische Ausstrahlung durch erröten (wär ja mal interessant ein wenig etymologisch zu kramen ob das Wort erotisch mit erröten zusammenhängt... wobei es ja eigentlich vom griechischen Gott Eros kommt, ihr wisst schon, der Typ mit dem Flitzebogen...) werden ebenfalls der Frau zugeordnet.
Blau hingegen, das heute als typische Farbe für Jungen gesehen wird, war die klassische Marien-Farbe, also weiblich.

Warum ist aber ein Baby in Rosa für uns heute automatisch ein Mädchen, während eins in Blau offensichtlich ein Bub sein muss?

Erst sehr spät, nämlich in den bzw. um die 1920er kamen folgende Dinge auf:

  • kochfeste, erschwingliche Kleidungsfarben
  • Waschmaschinen für alle
  • Strampelanzüge und sonstige Babyklamotten

Und auch genau zu der Zeit waren Matrosen (die blaue Uniformen trugen), Bluejeans und der blaue Overall der Arbeiter ein typisch männliches Symbol. Deshalb lag es nahe, Buben in helles, also das "kleine" Blau zu stecken.
Und da der Mensch immer dazu neigt, Dinge gegenüberzustellen, bekamen die Mädels halt Rosa.

Vor dieser Entwicklung wäre niemand auf die Idee gekommen, durch die Farbe des Fetzens in den ein Baby gewickelt war, dessen Geschlecht zu bestimmen. Denn die meisten Babyklamotten waren ja sowieso naturfarben, robust und kochbar.
Der Hochadel kleidete teilweise auch die Kinder färbig, denn wie schaut denn das aus, wenn der Thronerbe in zerschlissenen Windeln herumkrabbelt.
Aber da ist es auch schon:
Der Prinz, der männliche Thronerbe wurde natürlich in die Farbe der Macht gekleidet, manchmal durfts auch etwas heller sein, Rosa beispielsweise...


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