Farben in der Heraldik
Weiterführende Literatur zum Thema Wappenkunde gibts hier.
Heraldik, das ist die Wappenkunde. Die Führung und Erstellung eines Wappens wurde ja als wahre Kunst gehandhabt, deshalb war es auch die Aufgabe des Herolds bei Turnieren oder anderen Anlässen, die Echtheit der Wappen der Teilnehmer zu überprüfen.
Denn im Gegensatz zu modernem Film und Literatur, war es bei den meisten Turnieren nicht einfach so möglich, als Schwarzer Ritter auf einem geliehenen Klepper auf den Turnierplatz zu reiten und den Prinz von Hohenhummeldorf aus dem Sattel zu heben.
Man musste schon nachgewiesenermaßen ein Ritter oder sonstwer von Adel sein, um da mitmachen zu dürfen.
Die sieben Primärfarben der Ritterschaft
Damit Die einzelnen Teile des Wappens klar voneinander getrennt betrachtet werden konnten, bediente sich die Heraldik unterscheidbarer Farben:
- Rosso (Rot)
- Azzurro (Blau)
- Nero (Schwarz)
- Verde (Grün)
- Oro (Gold)
- Argento (Silber)
- Porpora (Purpur)
Bei der Verwendung von Primärfarben für Wappen war der Farbton selbst weniger entscheidend. Ob das Blau jetzt dunkler oder heller war, blieb der Verfügbarkeit der jeweiligen Pigmente (oder dem vorhandenen Geld) überlassen. Allerdings galt eine Mischung von ähnlichen Farbtönen als absolutes No-Go. Beispielsweise Hellblau und Dunkelblau im selben Wappen. Oder gar ein Verlauf *schauder*.
Sehr gerne wurden als Basis ein Metall und eine Kontrastfarbe gewählt.
Purpur als heraldische Farbe wurde eher selten verwendet, weil eigentlich wurde es nur eingeführt um eine Assoziation zu den sieben damals anerkannten Planeten herstellen zu können, sowie weil sieben einfach eine tolle Zahl ist und natürlich wegen der unten näher beschriebenen sieben Tugenden.
Diese sieben Primär-Farben der Heraldik, sowie noch gewisse "Pelzfarben" (Feh, Zobel, Hermelin, umgekehrter Hermelin und umgekehrer Zobel) werden in der Heraldik auch als Lack oder Lackfarben bezeichnet.
Reden wir heute mit ernsthaft wissenschaftlichen Heraldikern, modernen Herolden quasi, und erwähnen irgendwelche Zusammenhänge von Wappen-Farben, Planeten und Tugenden, werden diese Herren wahrscheinlich die deutsche Wappenrolle zur Hand nehmen und uns Band 1-63 nacheinander um die Ohren hauen.
Tatsächlich sind esoterische Zusammenhänge erst sehr spät aufgebracht worden, dem Ritter aus dem Mittelalter war es wichtiger, ein auf große Entfernung deutlich erkennbares Wappen zu besitzen. Denn auch wenn Glaube und Mitleid ganz toll sind, Überleben ist entscheidend wichtiger.
Sekundärfarben der Ritterschaft
Dann gibts noch Sekundärfarben für die Ritter. Diese Sekundärfarben der Heraldik wurden meistens für Wappenröcke, Livrees und sonstige Dinge wie beispielweise die Zelte verwendet. Namentlich gabs folgende Sekundärfarben, die im Gegensatz zum Lack nun auch als Farbe bezeichnet wurden:
- Orange
- Rosa
- Fleischfarbe
- Blutrot
- Karmin
- Kastanie
- Oliv
- Grünbraun
- Gesprenkelt
- Grüngelb
- Zimt
- Grau
- Naturfarbe
- Perle
- Pfirsichblüte
Gerade in dem Bereich, der die Farbe Rot umfasst, gibt es in der Heraldik ein breites Spektrum von Sekundärfarben.
Gesprenkelt bedeutet im Zusammenhang mit der Heraldik verschiedene heraldische Farben. Öhm. Gesprenkelt quasi. Das umfasst auch schillernde Farben.
Sekundärfarben müssen nicht unbedingt mit den Primärfarben zusammenpassen. So ist beispielsweise von Wilhelm von Oranien bekannt, daß Orange seine Hausfarbe (bzw. die der Oranier) war/ist, während das Wappend er Oranier in Blau/Gold gehalten ist. Nachzulesen in diesem Artikel:
Über die Oranier und die Zusammenhänge der Farbe Orange.
Purpur wurde übrigens sowohl als Lack (also Primärfarbe) als auch Farbe verwendet.
Ein gutes Wappen enthält allerdings kaum Sekundärfarben. In der Tat wurde darauf geachtet, möglichst wenige Primärfarben zu verwenden. Einfärbige Wappen gibt es nur sehr wenige aus dem frühesten Mittelalter. Später versuchte man, aus einem Metall und einer Farbe ein möglichst kontrastreiches Wappen zu schaffen.
Nur bestimmte Figuren und Zeichen wurden manchmal in Sekundärfarben, oder gar naturgetreu nachgezeichnet. Allerdings versuchten gute Wappenmacher trotzdem immer, Figuren zu stilisieren und eine Primärfarbe zu verwenden.
Zusammenhänge von Farben und Tugenden
Die Farben in der Heraldik stehen in direktem Zusammenhang mit den geistlichen und den weltlichen Tugenden der Ritterschaft. Während sich nämlich die weltlichen Tugenden eher aus der nordischen Tradition von Ehre, Tapferkeit und Kampfkraft ableiten (nördliche Helden-Epen), waren die geistlichen Tugenden im Mittelalter solche Dinge wie Demut und Die-Ungläubigen-Abmurksen. Dementsprechend vereint der mittelalterliche Ritter zwei Naturen in sich und bringt diese durch seine Farben zum Ausdruck.
Die sieben Primärfarben der Rittertugenden unterteilten sich dem entsprechend in drei theologische Tugenden namens Glaube, Hoffnung und Mitleid, sowie die vier Kardinaltugenden Besonnenheit, Tapferkeit, Vorsicht und Gerechtigkeit.
Die Zuordnung der Farben lautet wie folgt:
- Schwarz - Vorsicht
- Blau - Gerechtigkeit
- Grün - Tapferkeit
- Purpur - Besonnenheit
- Gold - Glaube
- Silber - Hoffnung
- Rot - Mitleid
Gerade mit den sieben Primärfarben lassen sich etliche Spielereien und Interpretationen betreiben. Allerdings unterscheidet sich die heraldische Zuordnung der Farben - mit Ausnahme von Silber (respektive Weiß als Farbe der Hoffnung) doch ziemlich von den landläufigen Bedeutungen der Farben, sowohl damals als auch heute.
Und wie bereits oben erwähnt, solche Spielereien waren den echten Rittern fremd, die vor allem ein sichtbares Feldzeichen brauchten.
