Indischgelb
Indischgelb ist ein natürlicher Farbstoff, der in Südasien lange Zeit verwendet wurde.
Im Prinzip war das Verfahren einfach:
Kühe wurden mit Mangoblättern gefüttert und die Flüssigkeitszufuhr reduziert, indem man die Tiere von der Wasserstelle fernhielt. Durch einen körperlichen Prozeß in den Kühen färbte sich der Urin intensiv gelb. Dieser Urin wurde dann eingekocht und der gelbe Farbstoff schied sich ab, wurde zu Kugeln gepresst und fertig.
Die Kugeln nannte man Piuri.
Daß Mangoblätter nicht gerade nährstoffreich sind, hat auch noch zur Produktion beigetragen. Auf jeden Fall konnte man auf diese Art bis zu 50 Gramm Indischgelb pro Tag und Kuh gewinnen.
Da dieses Verfahren logischerweise den Kühen gegenüber nicht gerade als optimal bezeichnet werden kann, gibts heute kein Indischgelb mehr im Handel. In der Tat wurde der Farbstoff zu Anfang des 20. Jahrhunders verboten.
Historisch war Indischgelb vor allem in der Mogulperiode zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert sehr beliebt. Der gelbe Farbstoff wurde als Lasurfarbe und für Ölmalereien, hauptsächlich aber zur Aquarellmalerei verwendet.
Nach Europa wurde Indischgelb zwar exportiert, aber es finden sich kaum Aufzeichnungen über die Verwendung. Indischgelb erzeugt einen satten, warmen und rötlichen Gelbton, der sich auf unseren Monitoren nicht darstellen lässt. Tragen wir die Farbe dicker auf, wird das Ganze bräunlich.
Heute wird Indischgelb synthetisch hergestellt (ich hab gehört, daß alle indischen Kühe ein großes Fest gefeiert haben, als das bekannt wurde...). Auf jeden Fall handelt es sich beim synthetischen Indischgelb um Cobaltgelb und/oder ein Mitglied der Azofarbstoffe.
Einen natürlichen Ersatzstoff für diese gelbe Farbe haben wir in der Färberpflanze Wau (Reseda) entdeckt, das Luteolin. Luteolin ist auch im Färber-Ginster und in der Petersilie zu finden. Allerdings ist der Farbstoff in seiner Kristallform schlecht wasserlöslich.

