Schweinfurter Grün · Giftgrün
Als Schweinfurter Grün wird ein Farbstoff bezeichnet, der sich wegen seiner Lichtechtheit und Intensität im 19. Jahrhundert bei Malern großer Beliebtheit erfreute. Der Ausdruck Giftgrün geht auf das Schweinfurter Grün zurück, da die Farbe ausgesprochen giftig war. Immerhin wurde Grünspan aus oxidiertem Kupfer und weißes Arsenik zur Herstellung von Schweinfurter Grün verwendet. Eine unangenehme Mischung, die erst 1882 verboten wurde.
Bereits 1844 hat ein Merseburger Arzt erwiesen, daß ein Pilz in mit Schweinfurter Grün bemalten Tapeten den Farbstoff zersetzt, und die Atemluft mit organischen Arsenverbindungen anreichert. Eine hochgiftige Angelegenheit. In späterer Zeit wurde Schweinfurter Grün als Schutzanstrich auf Schiffsrümpfen gegen Algenbewuchs, sowie als Insektizid verwendet.
Daß Arsen und Arsenik stark giftige Angelegenheiten sind, wissen wir. Auch Grünspan ist mäßig giftig und wurde bereits im Mittelalter zur Herstellung grüner Farbpigmente verwendet. In der Pyrotechnik werden mit Grünspan Effekte durch grüne Flammenfärbung erzeugt.
Grünspan wird gerne mit der blau-grünen Patina auf älteren Kupferdächern verwechselt. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Kupferacetat, sondern um eine Mischung aus Kupfercarbonat, -chlorid, -sulfat und -hydroxid.
Synonyme für Schweinfurter Grün:
Kupfer(II)-arsenitacetat, Wiener Grün, Pariser Grün, Mitisgrün, Uraniagrün, Papageigrün, Kaisergrün, Neugrün, Originalgrün, Moosgrün, Deckpapiergrün, Patentgrün, C.I. 77410, Pigment Green 21, Kasseler Grün, Neuwieder Grün, Berggrün, Scheelesches Grün, Scheeles Grün, Mineralgrün, Schwedischgrün, Elafrosin, Franconiagrün, Saxoniagrün, Silesiagrün und St. Urbansgrün.
Die große Anzahl der Synonyme und Bezeichnungen deutet auf die Wichtigkeit des Farbstoffes als Farbe und Pflanzenschutzmittel hin. Verschiedene Mischungen wurden von vielen Firmen patentiert. Es war das erste chemische Insektizid, das in wirklich großem Umfang angewendet wurde. Seit 1920 wurde Schweinfurter Grün als Insektizid im Weinbau eingesetzt und der als lokaler Hauswein für den Eigenbedarf gekelterte Tresterwein enthielt Arsenrückstände, die bei etlichen Winzern zu chronischen Vergiftungen führten. Seit 1942 ist auch der Einsatz von arsenhaltigen Mitteln im Weinbau verboten.
Alternativen zur giftigen Farbe
Den Farbton von Schweinfurter Grün mit ungiftigen Ersatzstoffen exakt zu treffen, da bemühen sich die Hersteller von Farben und Pigmenten schon seit einiger Zeit. Mischungen verschiedener Pigmente werden beispielsweise unter der Bezeichnung Cadmiumgrün angeboten, allerdings ohne die Brillianz des Originals zu erreichen.
Die Darstellung auf dem Monitor ist ebenfalls recht schwierig, da es viele verschiedene Nouancen des Schweinfurter Grüns gibt. und hier die Barrieren zwischen Licht- und Körperfarben wieder mal voll einschlagen. Nach einiger Suche bin ich allerdings auf diesen Farbton gestoßen, der der Sache recht nahe kommen sollte:
Giftgrün #84DF08
Im Vergleich dazu das 100%ige Grün aus dem RGB Farbraum:
100% Grün #00ff00
