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Ultramarin–Blau · Die blaue Farbe der Kunst



Irgendwie wurde Michelangelos Grablegung nie fertiggestellt. Ja, der Jesus war gemalt, ebenso Maria Magdalena. Nur mit Maria hatte er gewisse Probleme, denn damals war es Brauch, Marias Mantel in der edlen, satten Farbe von Ultramarin-Blau zu gestalten. Und Michelangelo, damals gerade mal um die 25 Jahre alt, wartete vergeblich darauf, daß sein Auftraggeber das Ultramarin besorgte. Der Stoff war teuer, darüber hat sich anscheinend auch der etwas betuchtere Albrecht Dürer beschwert. Immerhin bestehen die Pigmente von Ultramarin-Blau aus gemahlenem Lapis Lazuli. Und dieser, von goldglänzenden Pyritadern durchzogene Stein, findet sich in für die Malerei ausreichend guter Qualität ausschließlich an einer Stelle im Norden Afghanistans, in Hindukusch. Dem entsprechend teuer war der Rohstoff auch. Irgendwann wurde Michelangelo also nach Florenz beordert um seinen David zu malen und damit wars um die Fertigstellung der Grablegung auch geschehen.

Anscheinend hat Marco Polo als erster diesen Farbstoff über das Meer zu den europäischen Künstlern gebracht. Und daher auch der Name, denn Ultramarin kommt aus dem Latein bedeutet "über das Meer".

Ultramarinblau #292C7B


Natürliches Ultramarin-Blau aus Lapis Lazuli

Erstens brauchte man einen qualitativ hochwertigen Lapis Lazuli. Das bedeutet, er musste einen genügend hohen Anteil an dem Mineral Lasurit enthalten. Dieses schwefelhaltige Aluminiumsilikat gibt dem Lapis Lazuli - und damit auch den Farb-Pigmenten die strahlend blaue Farbe. Auf dem Seeweg wurde der Lapis Lazuli nach Europa geschafft, vermahlen und mit komplizierten Verfahren gereinigt. Dabei wurde er mit Fichtenharz, Mastix und Bienenwachs zu einem festen Kuchen geformt, der im Verlauf mehrerer Tage immer wieder durchgeknetet werden musste. Kein Wunder also, daß ultramarinblaue Pigmente damals zirka hundert Gulden das Pfund kosteten (wovon ein guter Teil den griechischen und venezianischen Kaufherren zugute kam, die die Steine über Syrien und das Mittelmeer nach Europa brachten). Allerdings war es den Künstlern meistens die Investition wert, denn Ultramarinblau war lichtecht, was wir über andere blaue Farbstoffe wie Waid oder Indigo nicht behaupten können. Farben, die sonst noch verwendet wurden, wie Blaukraut oder Heidelbeere waren durch ihren Violett-Stich nicht akzeptablel.

Natürlich gabs auch Schlitzohren, die dem Kunden zwar Ultramarinblau verrechneten, dafür aber Farbmischungen mit Azurit und organischen Blautönen verwendeten. Wenn Jahre später die Farben zu verblassen begannen, war der Künstler schon über alle Berge. Wahrscheinlich an Grünspanvergiftung gestorben oder sowas.

Ultramarin-Blau ist übrigens "Jene Farbvalenz, welche am kurzwelligen Ende des Spektrums zu sehen ist". Im RAL-Farbsystem ist Ultramarinblau als RAL 5002 definiert und gilt als Signalfarbe für Schutzpflicht-Schilder. Das Pigment Ultramarin-Blau wird heute synthetisch hergestellt. Wir kennen es auch unter Bezeichnungen wie Königsblau, Universalblau, Pfaublau oder Lasurblau.

Der Lapis Lazuli war im alten Ägypten nicht nur ein beliebter Schmuckstein, die Ägypter (beziehungsweise die Pharaonen) verwendeten den Stein für Einlegearbeiten. Aber schon vor den alten Ägyptern fand der blaue Stein Verwendung, nämlich in der sumerischen Stadt Ur, die so alt ist, daß wir sie getrost als uralt bezeichnen können. Aber so richtig zermahlen und in Pigmente verwandelt wurde der blaue Lapis angeblich erst ab ca. 500 n.Chr.

Die Bezeichnung Ultramarin ist übrigens nicht ausschließlich auf die blaue Farbe anzuwenden. Es gibt auch Ultramaringelb und Ultramarinrot, Ultramaringrün und Ultramarinviolett. Gemeinsam haben diese Farben, daß sie anorganische Pigmente sind und sich durch besonders hohe Lichtechtheit auszeichnen. Will heißen, sie bleichen nicht so leicht aus.


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