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Nein, ich küsse dich nicht...



...weil du hast Läuse auf den Lippen!

Was? Ja genau, der rote Farbstoff Karmin beziehungsweise Scharlachrot wird zwar heute häufig synthetisch hergestellt (Cochenille A), aber die ursprüngliche rote Farbe wurde aus Schildläusen Dactylopius coccus gemacht. Auch in Lebensmitteln wurde häufig die "Läusefarbe" verwendet.

Kermes, Karmesin oder Scharlach-Rot aus Schildläusen


Aber fangen wir am Anfang an. Karmin ist ein organischer Farbstoff, der zuerst unter dem Namen Kermes aus der auf Kermeseichen lebenden Kermes-Schildlaus oder der polnischen oder armenischen Kermeslaus gewonnen wurde.

cochenille schildläuse
Foto: Alexander Reichl, lizensiert unter "cc-by-sa"

Nachdem der Sohn von Erik dem Roten... achso ne, keine Wikinger, die Geschichte spare ich mir für einen anderen Tag... nachdem also Columbus Amerika entdeckt hatte *augen verdreht*, wurde die auf Ohrenkakteen beziehungsweise auf Disteln lebende Cochenille-Schildlaus zur Gewinnung von Karmin verwendet. Die Cochenille-Laus wurde dann auch auf den Kanaren eingebürgert.
Ein Kilogramm Cochenille ergibt etwa 50 Gramm Karmin.
Bereits in der Eisenzeit wurde roter Farbstoff aus Kermes-Läusen gewonnen und verwendet. Das wissen wir, weil das Fürstengrab von Hochdorf aus der Hallstattzeit reich mit Textilien ausgestattet war.
Später wurde Karmin als vergleichsweise günstiger Ersatz-Farbstoff für Purpur verwendet, um schönes Scharlachrot, Karminrot und ein halbwegs authentisches Purpurrot darstellen zu können.

Cochenille E 120 (nicht zu verwechseln mit dem vollsynthetischen Azofarbstoff Cochenillerot A, E 124) ist zugelassen als Lebensmittelfarbe und findet, um auf das Thema der Überschrift zurückzukommen, teilweise immer noch Verwendung in Kosmetika wie Lippenstiften.
Wo früher irgendwelche witzlosen Xanthippen versuchten, junge Frauen von der Verwendung von rotem Lippenstift abzuschrecken mit Aussagen wie "Das ist aus Läuseblut gemacht", ernten sie heute wahrscheinlich eher Antworten wie "Cool, also voll organisch".
Ob im Campari heute wirklich noch Läuse-Farbe drin ist, wissen wir nicht, weil die Leute die dieses Getränk herstellen ihr geheimnisumwittertes Rezept bestens hüten.

Herstellung von Cochenille-Rot

Man nehme eine ordentliche Portion Cochenille-Schildläuse und trockne diese.
Dann werden sie in Wasser ausgekocht, das mit etwas Schwefelsäure versetzt wird. Mittels etwas Kalk und Alaun wird das Karmesin, also der Farbstoff dann ausgefällt (sprich, wir trennen die Farbe vom Rest).
Dann wird die Farbe noch verkollert, das heißt mit einer Mühle gemahlen um das Farb-Pigment zu bekommen.

So, also ok, Läuse-Farbe auf den Lippen, damit es rot wird... Aber der Lipgloss bildet ja hoffentlich eine Schicht zwischen mir und den Läusen? Lesen wir beim Fischsilber weiter *g*

Anmerkung:
Heute habe ich so eine Topfencreme mit Erdbeerzeug drunter gegessen. Ihr wisst schon, die wo mehr Luft als Topfen (Quark für unsere Leser aus Deutschland) drin ist.
Mag vielleicht nicht gerade im Mittelpunkt des Interesses liegen was ich esse, aber in diesem Fall habe ich die Inhaltsstoffe durchgelesen und da stand "natürliches Karmin" drauf.
Ich muss sagen, die Creme war ausgesprochen lecker, wenn auch nicht gerade vegetarisch.


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