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Geschichte der Farbe Purpur



Der Name Purpur leitet sich aus dem Griechischen ab, wo es so viel wie anrühren oder zusammenmischen heisst.

Die ersten Menschen, die den Farbstoff der Purpurschnecken aktiv verwendeten, waren die Phönizier. Die ältesten, bekannten Produktionsstätten für Purpur waren in der Stadt Tyrus angesiedelt, im heutigen Libanon. Der Sage nach lief der Hund des phönizischen Gottes Melkarth, der mit dem griechischen Herakles ident sein dürfte, am Strand entlang und fraß eine Schnecke (Hunde fressen ja bekanntlich alles). Jedenfalls verfärbte sich seine Schnauze nach dem Festmahl purpurn. Nachdem Melkarth die Farbe auf der Hundeschnauze nicht mehr abwaschen konnte, hat er also ein Kleid mit dem Farbstoff gefärbt und seiner Geliebten, der Nymphe Tyros geschenkt. Tyros dürfte recht erfreut über das purpurne Kleid gewesen sein.

Die Phönizier waren bekanntlich DAS antike Handelsvolk, daher breitete sich die Kenntnis vom Purpur–Farbstoff und natürlich die Farbe bzw. damit gefärbte Stoffe rasch in der Welt der antiken Hochkulturen aus. Die Hopliten beispielsweise, die griechischen Elite–Infanteristen, trugen Kleidung, die mit reinem Purpur gefärbt waren. Das hatte mehrere Vorteile: Erstens wurde Macht und Stärke durch teure Kleidung in Signalfarbe demonstriert. In einem Zeitalter, wo das gegenseitige Abschlachten noch nicht so im Vordergrund stand wie in späteren Epochen, waren solche Statussymbole in einer Armee oft wichtiger als tatsächliche Kampfkraft. Und zweitens verbarg der dunkle, rote Stoff ausgezeichnet Blut und Wunden. Das stärkte die Moral der befreundeten Einheiten und schwächte zugleich die Gegnerische. Außerdem war in vielen griechischen Kriegsflotten das Segel des Flaggschiffes in purpurner Farbe gehalten.

In der Ilias schreibt Homer, daß der trojanische Prinz und Held Hektor in ein purpurnes Leichentuch gehüllt bestattet wurde, nachdem er von Achilles getötet worden war.

Römische Patrizier schienen so vernarrt in die begehrte Farbe gewesen zu sein, daß die Kaiser letztendlich den Gebrauch von Purpur auf die höchsten Schichten beschränkten. Der Kaiser selbst trug einen purpurnen Mantel (siehe Asterix und Obelix), die Senatoren und Equites mussten sich mit schmalen Purpurstreifen an ihren Togen begnügen.

In der Bibel wird Purpur und Blau im Buch Mose erwähnt, wo die Vorhänge der sogenannten Stiftshütte in rotem und blauem Purpur gehalten waren. Den purpurroten Mantel, den Jesus bei der Kreuzigung zum Hohn umgelegt bekommen haben soll, halte ich aber für Chronistenlatein. Matthäus nennt den Mantel übrigens scharlachrot, was schon plausibler klingt.

Purpur und Kardinalsrot im Mittelalter und in der Kirche

Mit dem Zerfall des römischen Reiches ist die Bedeutung und Verwendung von Purpur zurückgegangen. Ostrom verwendete den Farbstoff zwar noch weiter, aber für den Westen war die Purpurzeit vorbei.

Ob die Käppchen und Gewänder der Kardinäle nun tatsächlich mit echtem Purpur gefärbt waren ist heute unklar. Möglicherweise waren die Gewänder damals schon scharlachrot, also nicht mit echtem Purpur gefärbt, sondern mit Cochenille, das aus Schildläusen gewonnen wird. Wir kennen Cochenille von Kosmetika wie Lippenstift und dem allseits (mehr oder weniger) beliebten Campari. Wie auch immer, Rot und Violett sind im Kreis der liturgischen Farben ein bedeutender Posten.

Dasselbe gilt auch für diverse Königsmäntel, die oft als purpurn bezeichnet werden. Eine interessante Geschichte gibts noch zu Königsmänteln zu erzählen: Angeblich hat man gerne frisch gesalbte Könige in einen neuen Purpurmantel gehüllt. Sprich, solange der König noch grün hinter den Ohren war, war das auch sein Mantel. Wuchs er langsam in sein Amt und seine Verantwortung hinein, wurde der Mantel blau und schließlich tiefpurpurn, wenn der König die ersten Amtsjahre überlebt hat. So einfach war das Überleben bei den damaligen Königen ja nicht, wie Hinz und Kunz sich das immer vorstellen.


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