Bedeutung der Farbe Rot im Altertum
Die Geschichte der Farbe Rot beginnt, zumindest für uns nachvollziehbar, bereits in der Steinzeit. Angeblich war Rot die erste Farbe, die der Mensch wahrnehmen konnte. Bei Jägern und Sammlern war Rot die bedeutendste Farbe. Durch die lebenserhaltenden Eigenschaften, die der Farbe Rot zugeschrieben wurden, wurde roter Ocker häufig als Grabbeigabe in steinzeitlichen Begräbnisriten verwendet. Bis zu zehn Kilogramm, zu feinem Pulver zermahlenem Ocker wurden in solchen Grabstätten entdeckt.
Die frühesten Viehzüchter haben offenbar ihre Tiere gerne mit rotem Ocker oder Eisenoxid bemalt, um deren Fruchtbarkeit zu steigern. Höhlenmalereien in roter Farbe stellen oft magische Handlungen dar oder sind selbst als solche gedacht gewesen. Rot war auch bei den alten Germanen die Farbe der Zauberei. Die Vitki, altgermanische Runenmagier, trugen Gewänder mit roten Verzierungen. Das angelsächsische Wort für roten Ocker lautet teafor und ist offenbar mit dem altnordischen taufr verwandt, welches Zauber bedeutet. Taufr hat übrigens nichts mit der christlichen Taufe zu tun, das Wort bedeutet eintauchen beziehungsweise untertauchen und ist griechisch.
Im antiken Ägypten war die Farbe Rot dem Gott der Wüste und der Zerstörung zugeordnet, Seth. Der grüne Nilstreifen und sein Delta waren die Quelle von Ägyptens Leben und Reichtum, die rote Wüste verhieß allerdings nur den Tod. Deshalb ist Rot in der ägyptischen Kultur seit jeher ein Zeichen des Bösen. Schreiber hatten gar eine eigene, rote Tinte, für übel beleumdete Wörter und Zeichen. Magier baten in ihren Zaubersprüchen oft um Erlösung aus der Hand von bösen, roten Dingen.
Die Israeliten wie die in der Bibel auftauchen, bestrichen manchmal ihre Türstöcke mit Blut und roter Farbe, um böse Geister fernzuhalten.
Der Phönix ist der Feuervogel, der sich am Ende seiner Lebensspanne selbst verbrennt und verjüngt aus der Asche emporsteigt. Er symbolisiert zumeist die Gewalt, aber auch Wiedergeburt und Erneuerung, sowie die reinigende Wirkung der Flammen. Der in chinesischen Legenden beheimatete zinnoberrote Vogel ist ebenfalls mit dem Phönix verwandt und wird auch als Essenz oder Substanz der Flamme bezeichnet. Er bringt ein langes Leben und Glück.
Der germanische Gott Donar bzw. Thor hatte rotes Haar und einen roten Bart. Blies Thor in seinen roten Bart, konnte er Blitze schleudern. Rote Tiere waren dem Donar geweiht, wie beispielsweise das Rotkehlchen, der Rotfuchs oder das heimische, rote Eichhörnchen. Auch die Augen und der Bart des Jagdgottes Wotan waren in feurigem Rot gehalten.
Im kalten Russland war die warme Farbe Rot als Farbe des Herdfeuers von jeher positiv besetzt. Seit der russischen Revolution wurde Rot zur Landesfarbe und findet sich im roten Platz oder der roten Armee wieder.
- Zu roter Farbe siehe auch:
- Rot in der Mythologie
- Schutzfunktion der Farbe Rot
- Rot in der Alchemie
- Rot als Farbe der Weiblichkeit
Wo im Mittelalter Maria und diverse Engel noch rote Kleidung trugen oder auch rote Haare hatten, wurde Rot ab etwa 1500 verteufelt (die Kardinäle trugen aber weiterhin rot, was wiedermal beweist... egal). Jedenfalls war die Beziehung der Farbe Rot zur Sexualität den Kirchenvätern offenbar ein Dorn im Auge. Die roten Flammen wurden mit dem Teufel assoziiert und Menschen mit rotem Haar oft als Dirnen, Hexen und Schwarzmagier denunziert. Vorurteile, die sich lange gehalten haben. Der rote Klatschmohn wurde ebenfalls zur Teufelsblume erklärt.
